Nach einer Babypause sind wir im August mit vielen Fragen und einigen Unsicherheiten in eine neue Phase unserer „Grenzgebietsarbeit“ wieder eingestiegen. Die ganze Thematik holte uns ziemlich schnell wieder ein und war recht erschlagend. Der letzte Stand war folgender:
Wir brauchen ein Team. Alleine geht es nicht. Wer macht sich mit uns auf den Weg?
Wir würden gern in kleinen Gruppen und Hauskreisen über das Thema reden, um Verborgenes aufzudecken und einfach zu informieren. Gibt es da überhaupt wenigstens etwas Interesse?
Im Gebiet unterhalb von Dresden findet die Prostitution durch den Ausbau der Autobahn mehr und mehr versteckt in Privatzimmern statt. Wie sollen wir weiter vorgehen, was sind unsere nächsten Schritte?
Seitdem haben wir wieder viel erlebt. Es scheint, als wäre nicht nur ein Stein ins Rollen gekommen, sondern eine kleine Steinlawine… es gibt neue Fragen und viele Antworten, aber lest selbst:
Unsere erste Fahrt ins Grenzgebiet nach der Babypause mit zwei Leuten aus unserer Gemeinde hier war sehr ermutigend. Wir bekamen ein prophetisches Wort von einer Frau aus der Gemeinde mit auf dem Weg. Es lautete:“Die Türen sind auf!“ Wir waren dankbar und sehr ermutigt, dass Gott seinen Plan mit uns und dem Grenzgebiet mal wieder bestätigte… ohne so genau zu wissen, was denn hinter diesen 4 kleinen Worten stecken könnte…
Ein paar Tage später erfuhren wir über unsere Freundin in Prag nach ihrem einwöchigen Einsatz in Cheb (weiter südlich im Grenzgebiet), dass „die Türen in der Stadt weit auf“ stünden, geistlich betrachtet. Es fanden sich offene Türen bei den Frauen auf der Straße, den ganz normalen Einwohnern und der Stadtverwaltung. Das Wort, welches wir bekamen, galt anscheinend nicht nur uns, sondern verband uns mit unserer Freundin und ihren Erlebnissen.
Seitdem kam einiges ins Rollen. Am Sonntag drauf, Anfang September, wurde ich hier im Gottesdienst von einer Frau angesprochen, die in letzter Zeit wieder häufig an unser Herzensanliegen denken muss. Sie teilte mir mit, dass sie das Thema in ihren Gebetskreis mit einbringen will und fragte, ob wir nicht Lust hätten, über das Thema in den Hauskreisen aufzuklären. Da ihr Mann Hauskreisdiakon ist, würde sie sich einsetzen wollen, dass wir dafür Raum bekämen. Eine Woche später erfuhr ich nebenbei von anderen, dass in ihrem Gebetskreis bereits dafür gebetet wurde und das Grenzgebiet beim Hauskreisleitertreffen als Gebetsanliegen schon in alle Hauskreise weitergeleitet wurde.
Mittlerweile fanden sich zwei Frauen, die mich auf meine nächsten Gebetsfahrten ins Grenzgebiet begleiteten. Die Gebetsfahrten sind toll, nicht mehr zäh, sondern ich weiß, dass wir grad Ort für Ort abklappern sollen und ihn bebeten und segnen sollen. Eine von meinen Begleiterinnen wohnt im Altenheim, welches zur Gemeinde gehört und leitet dort den Gebetskreis. Nun wird sogar auch im Altenheim dafür gebetet. Gerade sie ist mir in den letzten Wochen eine besondere Ermutigung gewesen, indem sie uns bestärkt, den uns nun gebotenen Raum auch zu füllen. Sie las meine ganze Diplomarbeit und hörte sich unseren Weg bis hierher an und bekam es von Gott aufs Herz gelegt, intensiv für uns und die Sache zu beten und ihre Funktion zu nutzen, um das Thema in die Gemeinde zu bringen.
Wir können soviel Interesse auf einmal gar nicht recht verarbeiten und wundern uns immer wieder, dass Gott nun die Zeit für gekommen sieht, andere auf das, was in unserem Herzen ist, aufmerksam zu machen.
Als für Oktober die Referentin für den Frauenabend absprang, setzte sich die besagte Frau aus dem Altenheim, die auch im Leitungskreis für diese Frauenabende ist, dafür ein, dass stattdessen die Grenzgebietsproblematik einspringt und kurz drauf lud mich der Frauenkreis als Referentin ein. Ich hab mich richtig auf diesen Abend gefreut! Trotz Ferien waren alle Plätze belegt und vor mir saßen viele Frauen, die interessiert und mit offenem Herzen lauschten, was Gott über Tschechiens Westen denkt.
Mittlerweile sind drei Leute von „Jugend mit einer Mission“, u.a. unsere Freundin aus Prag, am Überlegen und Beten, ob sie im kommenden oder in zwei Jahren nach Cheb gehen sollen, um dort einen längerfristigen Dienst aufzubauen. Ihr Herz schlägt wie unseres für Gemeinschaft und Gebet, für die Frauen dort und den Landstrich. Vor ein paar Wochen haben wir uns zum ersten Mal alle gemeinsam ausgetauscht.
Wir können uns gut vorstellen, dass Gott uns als Team zusammenstellen will und wollen schauen, ob dem so ist. Schließlich ist auch Lars’ Ausbildung nächstes Jahr zu Ende und die Frage steht für uns nun bald an, wie es danach weiter gehen soll. In Cheb wäre übrigens auch die Sozialarbeit, die ich für mein Diplom interviewt habe und dort wären alle Türen offen mit zu helfen. Ich könnte einen tiefen Einblick in die Arbeit bekommen und eine Menge lernen, was hier oben nicht gegeben wäre.
Ende des Monats wollen wir uns mal für ein paar Tage zum Beten und Austauschen treffen.
Ihr könnt sicherlich ahnen, was das für uns im Moment bedeutet. Lars und ich sind grad viel am Beten, Träumen und auch sehr am Ringen, Kosten überschlagen und loslassen, hier wohnen bleiben zu wollen, wenn es so sein soll. Wir beobachten, wo sich Türen öffnen und schließen und wollen vorsichtig unsere Schritte setzen und uns von Gott zeigen lassen, was nach Lars’ Ausbildung dran ist.
Wir staunen jedenfalls, dass wir nun so vielen Leuten von Gottes Plänen für das Grenzgebiet erzählen können, es förmlich an uns herangetragen wird, ohne dass wir irgendwas in die Wege geleitet haben. Wir sind sehr dankbar, dass wir nicht mehr alleine ins Grenzgebiet zum Beten fahren und sich ein Team direkt an der Grenze Schritt für Schritt formiert. Wir sind gespannt, wie es da nun weitergehen soll und wie sich Gott das so alles gedacht hat. Irgendwas Neues scheint jedenfalls hier aufzubrechen.
Am 15. November steht ein Gebetstreffen in Cheb an, zu dem alle Involvierten, die das Thema auf dem Herzen haben, eingeladen sind. Neben uns und den drei Personen von „Jugend mit einer Mission“ werden auch die Leiter der Station von „Jugend mit einer Mission Herrnhut“ und eine Gemeinde aus Cheb, zu der schon ein guter Kontakt über „Jugend mit einer Mission“ besteht, dabei sein.
Wir brauchen grad dringend Rückendeckung und bitten Dich zu beten, daß
- die kommenden Treffen mit anderen Interessierten Klarheit bringen, Einheit schaffen und unser Platz in dem Ganzen deutlich wird
- sich tatsächlich ein Team bildet, das sich von Gott vor Ort gebrauchen lässt
- die Herzen der Menschen im Grenzgebiet weiter vorbereitet werden um Gott kennen lernen zu können
- wir als Familie in dem Ganzen geschützt bleiben und noch stärker zusammenwachsen
- wenn wir gehen sollen: sich ein tiefes, bewußtes Ja in uns heran bildet, das bereit ist, ziemlich liebgewordene Menschen und Dinge und Vorstellungen der nächsten Jahre los zu lassen
Danke!
Heike und Lars mit Nathanael und Joel
